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Friday, February 24, 2017

Halbzeit!

Ja meine Lieben, wie der Titel schon verrät bin ich bereits sechs Monate in Panama und habe somit die Hälfte meines Jahres absolviert. Die Zeit ist im Nachhinein erstaunlich schnell veflogen und auch die zweite noch verbleibende Hälfte erscheint mir bereits jetzt unglaublich kurz. Das liegt aber vermutlich daran, dass ich für die nächsten zwei Monate bereits einige spannende und aufregende Dinge geplant habe.
Da ich ja schon länger nicht mehr ganz so aktiv und fleißig meinen Blog geführt habe, denke ich, dass es sich kaum lohnt jedes Ereignis einzeln aufzulisten. Stattdessen werde ich das Erfahrene irgendwie zusammenfassen. Los gehts:


  1. Ich kann nun halbwegs Spanisch! Ja, auch das habe ich mitlerweile so einigermaßen, wie mein Vater sagen würde, "auf der Kirsche". Allerdings habe ich noch gut Luft nach oben und kann noch ordentlich Dinge dazulernen. 
  2. Auch eine gute Portion panamaischer Kultur durfte und habe ich kennengelernt und dabei nicht nur die positiven Seiten, sondern auch die negativen zu schätzen gelernt. Was das heißt? Man hat sich mit einigen Ansichten in dieser Kultur abgefunden und zu anderen, doch arg kontroversen, eine zumindest halbwegs tollerirende Distanz aufgebaut. So glaube ich bis heute nicht an Hexen oder an die Tatsache, dass ich sobald ich nass werde sofort krank werde. Jedoch habe ich akzeptiert, dass es hier dieser Glaube normal ist und dass man das nicht unbedingt mit geistiger Unterlegenheit gleichsetzen kann.
  3. Man gewöhnt sich an den Panameño. Damit meine ich nicht nur an den männlichen Panamesen, der einem ständig hinterherpfeift/-ruft oder -hupt, sondern auch an die manchmal etwas kurrios erscheinende Mentalität der hiesigen Menschen. Dazu eine Anekdote:
    Eine Familie plant einen Helikopterausflug. Starttag und Programm sind bereits festgelegt und noch einige Plätze sind frei. Also was macht die Familie? Sie fragt im Bekanntenkrei nach Interessenten und zwar wie folgt: "Wir wollen einen Helikopterausflug an Tag X machen. Wie werden über X,Y und Z fliegen und haben noch Plätze frei. Wer Lust hat kann sich melden. Am liebsten jemand, der auch einen Helikopter hat, denn das ist das Einzige was noch fehlt." Bei solcher, ich nenn es mal Naivität wird so mancher Deutscher den Kopf schütteln. Allerdings fasst das ganz gut die panamesische Art zusammen. Sie gehen an alles sehr positiv heran, planen selten bis zum Schluss und glänzen durch Spontanität. Aber so wie der Deutsche aggressiv pünktlich und der Amerikaner von Natur aus fett ist, so ist der Panameño auf seine Weise wie er eben ist.*
  4. Das Essen ist genial. Zumindest schmeckt es mir persönlich sehr gut. Es zeichnet sich durch frittieren und Ajo (Knoblauch) aus und ist im allgemeinen gewürzt aber nicht scharf, wie man es zum Beispiel von Mexiko kennt. Ich werde demnächst auch endlich meinen Essenspost fertigstellen. (Oh ja, ich will fleißig sein.)
  5. Dieses halbe Jahr war für mich persönlich das wohl härteste halbe Jahr meines Lebens. Nicht nur Sprache, sondern auch die nicht unbedingt durch Sinnvolligkeit glänzende Arbeit haben mir zu gesetzt und mich im Verlaufe der sechs Monate immer wieder an meine Grenzen gehen lassen. Damit möchte ich jedoch nicht sagen, dass es ein schlechtes oder gar furchtbares halbes Jahr gewesen wäre. Ich habe unglaublich viel dazu gelernt. Nicht nur über Panama, sondern auch über mich. Meine Prioritäten haben sich, glaube ich, zum positiven hin verbessert. Somit habe ich schon einmal eines meiner Ziele für meine Zeit in Panama erreicht. Mit weniger materiellen Dingen zu leben zeigt einem wie viel bedeutender Erfahrungen und schöne Erlebnisse sind. Man lernt zu schätzen was und vor allem wen man hat. Ich kann jetzt hier nur von meinen persönlichen Erfahrungen sprechen, aber ich glaube, dass so etwas gut tut - gerade als junger Mensch. 
  6. Zweifellos war die Zeit in Panama auch die reiseintensivste Zeit meines Lebens. Ich habe so viel gesehen und glaube langsam Panama besser zu kennen als Deutschland (Klar ist Panama gerade einmal so groß wie Bayern, allerdings stelle ich immer wieder fest, dass man auch innerhalb Deutschland sehr viel reisen kann - und sollte). Ich werde demnächst versuchen einige Bilder meiner vergangenen Reisen hochzuladen.
  7. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und es ist erstaunlich wie schnell man sich an andere Umstände gewöhnt. Die Ameisen im Haus und in meinem Bett sind normal geworden, der generell höhere Lautstärkepegel akzeptiert worden. Der Müll am Straßenrand fällt nicht mehr ganz so auf wie noch am Anfang und der Kuchen mit dem metertiefen Frosting und die Piñata gehören einfach zu einer jeden Feier dazu.
    Kurze Zwischenbemerkung: Ich bin allerdings nicht unschockbar. Wenn wir bei Valorate den Ketchup mit Zucker nachsüßen bleibt auch mir ich der Mund offen stehen. 
  8. Ich habe gelernt zu sparen oder zumindest mir des Geldes bewusster zu sein. Mein Vater der meine Kontoabzüge sieht wird an dieser Stelle vieleicht lachen, aber es ist tatsächlich so. Selbstverständlich lernt das so gut wie jeder, sobald er auszieht, allerdings überlege ich jetzt schon zweimal ob ich das Taxi wirklich nehme oder lieber mit den 1,25$ in der Tasche die halbe Stunde durch die Hitze laufe - immerhin habe ich ja mehr als genug Zeit.
  9. Ich mag Panama. Anders kann ich es glaube ich nicht sagen. Natürlich gibt es immernoch Situationen oder Aspekte, die schwierig sind Ich möchte hier auch auf keinen Fall den Anschein erwecken, dass ich die souveräne, offene und toleranteste Weltenbummlerin schlechthin bin - so ist es nämlich einfach nicht. Kultur ist immer komplex und für Außenstehende nie einfach komplett zu akzeptieren, allerdings macht diese Diversität das Leben auf der Erde aus. Nur wer aus seiner Kompfortzone heraustritt kann über sich selber herauswachsen und ich glaube ich bin auf einem guten Weg dahin.
Soweit erstmal von mir. Wenn ihr bestimmte Fragen habt, so fragt mich in den Kommentaren oder über Whatsapp! Ansonsten wünsche ich euch ein schönes Wochenende. Hier ist Karneval und somit Ausnahmezustand in Panama. Was das direkt bedeutet werde ich am Wochenende herausfinden und dann in zwei, drei, vier Monaten oder spätestens wenn ich wieder da bin berichten. 
Grüße!

Aus aktuellem Anlass:
Ein Bild von der Kindergartenabschlussfeier


*Ich generalisiere stark. So gesehen benutze ich eine Übertreibung (Hyperbel) als Stilmittel um meinen Text leichter verständlich zu machen. - Ja 12 Jahre Schule waren nicht für die Katz (rechtschreibtechnisch vielleicht schon, aber nun ja...)!

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